
Ja, der ist fies, ich weiß. Ich geh mich mal kurz schämen. In diesem Sinne.

Literatur & Lesebühne

Ja, der ist fies, ich weiß. Ich geh mich mal kurz schämen. In diesem Sinne.
Heute schreib ich nicht viel, denn lesen könnt ihr an anderer Stelle: Der Edition Paashaas Verlag hat in seinem Verlagskalender heute das E-Book meines Buches kostenlos zum Download versteckt. Also brav hier die 4 anklicken und herunterladen! Hohoho … In diesem Sinne.

Die düstere Jahreszeit – echt getz ma! Halb fünf nachmittags ist das neue Halb-elf-abends. Den Tag beenden darf ich trotzdem nicht: zu früh für Fertig-Machen-und-ab-ins-Bett und zu spät fürs Nachmittagsschläfchen. Irgendwas is‘ ja immer …
Also quäl ich meine müden Knochen und den erschöpften Geist weiter durch den Tag. Die Dunkelheit da draußen passt zwar zu meiner Stimmung, hebt den Gesamtzustand aber in keiner Weise. Da hilft nur die Erinnerung an eine Situation, als ich das erste mal 2016 drei Monate stationär auf der Depressionsstation verbrachte: Sobald Schwester Oberin beim täglichen Ritt über die Ländereien einen Raum vorfand, in dem kein Licht brannte, donnerte sie los „Was ist das denn hier so dunkel?!“ Sprach’s und hatte auch schon im selben Moment unerbittlich die Szenerie illuminiert. Für Gegenargumente war sie nicht empfänglich. Energie sparen? Kosten sparen? Unnötige Bewegung zum Lichtschalter sparen? Papperlapapp! „Licht tut Ihrer Seele gut!“ Sprach’s und war schon wieder aus dem Zimmer gerauscht. Da bei den meisten von uns der Antrieb fehlte aufzustehen, blieben wir bis zum nächsten Programmpunkt der (meist neongrellen) Lichttherapie ausgesetzt. Und, hat’s uns geschadet?
Wir haben damals gemault und die Gesichter verzerrt wie Vampire bei Sonnenaufgang. Doch niemand war zu Staub zerfallen – nur die innere Weigerung, Licht ins Leben zu lassen, war mehr und mehr zerbröselt. Viele von uns an Depressionen Erkrankten hatten daheim zuletzt mit heruntergelassenen Jalousien gelebt, den halben Tag im dunklen Zimmer gelegen und auch sonst nicht so wirklich von innen heraus gestrahlt. Gab ja auch keinen Grund. Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, dass es viele gute Gründe dafür gab, Stimmungsaufhellertipps wie die folgenden mal auszuprobieren. Für Sie getestet:
Ich habe mir dieses Jahr Discokugel-Christbaumkugeln gegönnt. Sie hängen über der Fensterbank, bewegen sich in der Heizungswärme und funkeln. Ich könnte ihnen stundenlang beim Bewegen und Funkeln zuschauen. Was heißt „könnte“ – ich tue es. Und mittlerweile kann ich mich daran erfreuen. In diesem Sinne.
Jaja, ich weiß: Früher war mehr Lametta. Und wenn man auf das Bühnenbild schaut, mag man sich darin bestätigt fühlen. Aber: Es war ausgewähltes Lametta. Wiederverwendbares – so wie früher, wo ich nach jedem Weihnachtsfest die Fäden einzeln vom Baum ziehen und in einem Mäppchen sammeln musste. Anweisung von ganz oben! (Also von meiner Mutter.) Dass ich den Wums nicht noch bügeln musste, war alles. Aber ich war jung, und ein Befehl war ein Auftrag war eine Anordnung war ein Dekret und hatte nicht hinterfragt zu werden. Ach, wie einfach das Leben doch damals war …
Heute muss man ja alles selbst entscheiden:
Antworten: 2 x 10, gold, ja.
Bei der Lesung gestern Abend gab es jedenfalls feinste Texte aus eigener Feder, sehr engagierten Gesang aus den eigenen Reihen und – wie erwähnt – besagtes Lametta. Exemplarisch glitzernde Fäden als Mahnmale für mehr Nachhaltigkeit in Buchdruck und Christbaumdekoration. Schön war’s im Saal der Dreiraumgemeinde in Suderwich! Übrig bleibt die spannende Frage, warum man immer zwei Stunden für den Aufbau und nur eine Viertelstunde für den Abbau benötigt. In diesem Sinne.



Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.
Also: als ich dachte. Als wir alle dachten, die wir in den vergangenen 12 Monaten in Vorstand und Geschäftsstelle, in Projekten und Ehrenamt, in Kooperationen und Gremien zusammengearbeitet haben. Auch als die Mitglieder dachten, die mich im Oktober 2024 für zwei Jahre zur Vorsitzenden gewählt haben.
Eigentlich hatte ich vor, mein Abschiedsblögchen erst in ein paar Jahren zu schreiben. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich dieses Amt bereits nach der Hälfte der Laufzeit zurückgeben würde. So kam es aber am 26.10. auf der Mitgliederversammlung in Siegburg. Vorab: Ich danke euch und Ihnen allen für das Vertrauen, die unfassbar motivierende und berührende Wertschätzung und die stärkende Begleitung und Unterstützung meiner Arbeit im Vorstand der Deutschen DepressionsLiga.
Eigentlich kann ich stolz auf mich sein – auch wenn es sich im ersten Moment nicht so anfühlte, als ich die Entscheidung im Oktober traf. Wie oft hatte ich jahrelang während meiner stationären und tagesklinischen Aufenthalte oder in den ambulanten Therapien gehört: „Nehmen Sie sich ernst“ und „Selbstfürsorge gehört an die erste Stelle“. Und wie oft sagen wir zu anderen Menschen: „Gesundheit ist das Wichtigste“ und „Nimm dir alle Zeit, die du brauchst“ und „Pass gut auf dich auf“. Mal ehrlich: Wie oft sagen wie diese Sätze zu uns selbst? Ob laut vor dem Spiegel oder mit unserer kaum hörbaren inneren Stimme, bis wir es endlich in die Tat umsetzen? Antwort: Ich auch nicht.
Eigentlich. Bis mein Körper mir wieder und wieder sagte: „Es reicht!“ Ich habe nicht zugehört. Er so: „Okay, Claudia, dann noch eins obendrauf!“ Ich hab’s ignoriert. Und mein Körper so: „Du hast es noch nicht begriffen? Hier, nimm dies!“ Und wenn schon … „Gut, du hast es nicht anders gewollt …“ Ach komm, dachte ich, nur noch das hier erledigen – nach der nächsten Sache wird’s ruhiger. Dachte ich. Jedes Mal dachte ich das. Bis ich irgendwann (zum Glück) gar nichts mehr dachte, sondern nur noch fühlte: Ich muss die Notbremse ziehen!
Darauf bin ich tatsächlich stolz: dass ich es gemacht habe. War es schwierig, vom Denken ins Tun zu kommen? O ja. Tat es weh? Und wie. Fühlte es sich wie Versagen und Scheitern an? Durchaus. Zuerst jedenfalls. Bis ich – mit vielen tröstenden Worten von lieben Menschen – darauf gestupst worden bin, wohlwollend mit mir selbst auf das Jahr zurückzuschauen und zu sehen, was ich alles geschafft habe. Zu sammeln, was ich Tolles erlebt habe und für mich einzupacken, was ich mitnehme.
Darauf zu schauen war sehr berührend und heilsam, denn: Wie schnell vergessen wir doch, die vermeintlich „kleinen Dinge“, aber auch die richtig großen auf die Haben-Seite zu schreiben? Ich habe so einige Premieren feiern dürfen, wie ich mit meiner Erkrankung an die Öffentlichkeit gegangen bin: in meiner ersten Podcast-Teilnahme, bei einer tollen Radiosendung, in einem Fernsehdreh mit Doc Esser, und ich war tatsächlich Teil eines Filmbeitrags. Ich hatte die Ehre, den Thementag zu gestalten, und ich durfte einen Ratgeber schreiben. Ich war mutig. So mutig wie wir Betroffene alle sind, die wir den nächsten Tag angehen, und so mutig, wie wir Angehörige sind, die wir uns mit unseren Lieben gemeinsam dieser Erkrankung stellen. Viele von ihnen habe ich kennen lernen und ein Stück Weg mit ihnen teilen dürfen. Einige von ihnen kann ich mir aus meinem Leben gar nicht mehr wegdenken.
Ich bin dankbar und froh über das vergangene Jahr, auch wenn – nein: auch weil – es mich jetzt an einen Punkt gebracht hat, vor dem ich mich jahrzehntelang weggewunden habe: die Selbstfürsorge und meine Gesundheit an erste Stelle zu setzen. (Viele von euch kennen das, oder?)
Ich bin dankbar, dass unser bisheriger Schatzmeister Jürgen Leuther bereit war, in die Bresche zu springen und für das Amt des Vorsitzenden zu kandidieren. Danke dir und allen, die seit Ende Oktober in neuer Vorstandskonstellation den Verein weiterführen und gestalten. Habt ebensolche Freude an der Tätigkeit und allzeit ein gutes Händchen! Danke an Dagmar Siewertsen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle für euer Engagement und die herzliche, gute Zusammenarbeit. Punktuell bleibe ich der DDL erhalten: mal mit einem Vortrag, auf einer Veranstaltung oder gerne auch in einem Projekt. Wir sehen uns also wieder – ich freue mich drauf! In diesem Sinne.

Dr. Claudia Kociucki verabschiedet sich als DDL-Vorständin – Deutsche Depressionsliga e. V. (veröffentlicht am 1.12.2025)
3sat NANO vom 15.10.2025 mit dem Thema Hochfunktionale Depression: Perfektion bis zum Zusammenbruch.
Vom Drehtag in Köln nehme ich ein gutes Interview, eine nette Drehatmosphäre, eine engagierte Vorbereitung und viele Gedanken mit. Von der Sendung nehme ich eine weitere, bisher unbekannte Variante der Aussprache meines Nachnamens mit.
Ein ziemlich ehrliches Portrait. In diesem Sinne.
Mitte Juni war das jährliche 42er Autoren-Klassentreffen. Wer kann und Lust hat, reist dann nach Brandenburg, wo unser Vereinssitz liegt, und gönnt sich folgendes Programm:
Freitagabend: die unvergleichliche Scheunenlesung
Samstagmorgen: die unvermeidliche Mitgliederversammlung
Samstagabend: die unerreichte Preisverleihung
Auch in diesem Jahr war es großartig, spaßig, kultig – und sehr emotional. Ich hatte zum zweiten Mal in Folge die große Ehre – gemeinsam mit dem wunderbaren Autorenkollegen Tom Liehr – die Preisverleihung zu moderieren. Wer die Innenansicht mag: Im Forum der 42er Autoren e.V. gibt es den Live-Ticker nachzulesen und viele weitere Fotos anzuschauen! Wer die Außenansicht auch lesen möchte: Ein großer Pressebericht im Nordkurier findet sich hier. In diesem Sinne.
Hier als Sneak Preview meine Bilderfavoriten (Fotos: Jörg Lingrön): Tom Liehr und ich beim Moderieren; Susanne zu Putlitz und Tochter Sophie beim Entgegennehmen der Dankeschön-Schoko-Gänse in Vertretung unseres Schirmherrn Moritz Gans Edler zu Putlitz; Christoph Hein als Zweitplatzierter und Anna Rotele als Sechstplatzierte beim Strahlen-um-die-Wette. (Fun Fact: Anna ist inzwischen Mitglied bei den 42er Autor:innen. So kann’s gehen …)



Heute mache ich etwas, das ich noch NIE gemacht habe: zu einem Fußballturnier gehen. Warum ich das dennoch mit meinem Volleyball-Ich in Einklang bringen kann? Weil es ein Benefizturnier ist und die Spenden des heutigen Tages der Deutsche DepressionsLiga e.V. zugute kommen. Da bin ich doch gerne dabei und unterstütze mit einem Infostand und einem Live-Podcast-Interview. Die Literatur kommt auch nicht kurz, wenn auch nur im Umfang einer Blattseite vor: Wir sprechen über Tipps für Angehörige und nicht-sichtbare Beeinträchtigungen – da passt „Was du (nicht) siehst“ doch hervorragend rein! In diesem Sinne.
Wenn ihr in #Waltrop oder Umgebung lebt: Schaut vorbei! Es gibt Live-Musik, eine Tombola, Fußball und allerlei Stände ab 14 Uhr. https://teutonia-sus.de/helden-cup
#depressionsliga
Für den Blog der Deutschen DepressionsLiga e.V. habe ich einen Nachbericht verfasst. Lest, warum es so heilsam ist, mit anderen über seine Erkrankung zu sprechen. Und es wurde gelacht – viel gelacht. Fotos gibt es natürlich auch ein paar. In diesem Sinne.
„Reden hilft heilen“ – Die DDL auf der Messe LEBEN UND TOD – Deutsche Depressionsliga e. V.

42er Autorin Beate Paul hat einen dreiteiligen Blog-Beitrag über Putlitz verfasst. Mit vielen Fotos. Schaust du hier. In diesem Sinne.