Kalenderblattrückschauschnatt (Juni 2022): Komm ma‘ ran, Kormoran!

Die ersten drei Juni-Wochen gondelten wir charmant mit dem 9 €-Ticket ambulant durch die halbe Republik (BLOG berichtete), die letzte Woche verbrachten wir für 9 € pro Nacht stationär auf einem Zeltplatz hinterm Deich. Es war ein Monat voller Reisen, voller Züge und voller schräger Vögel – in diesem wie im anderen Sinne. Die einen wie die anderen zu beobachten war mein liebster Zeitvertreib, und ich habe jede Menge Erstaunliches mitgenommen. Hier meine Entdeckungen aus vier Wochen „Wildparks, Wald und Wanderwegen“:

  1. Raubvogel des Monats wurde der Rotmilan. Er gleitet höchst galant und meditativ am Himmel entlang – wenn er jedoch auf Tiefflug abbiegt, ist es mit der buddhistischen Ruhe zu Ende. Millionen von Mäusen missfällt das. (Der Rotmilan ist übrigens weder ganz rot, noch wohnt er in Mailand, sondern beispielsweise in der Rhön und hat einen eingekerbten Schwanz wie eine Schwalbe.)
  2. Letztere fliegen tatsächlich tief, wenn es regnen wird. Für Sie getestet – nicht nur in der Rhön. (Wie sie es schaffen, bodennah zu segeln, ohne sich dabei ständig auf den Schnabel zu legen, weiß wohl nur das eingebaute Schwalbigationssystem.)
  3. Auch Schwäne machen Familienausflüge auf dem Wasser. Mama Schwan hält die pubertierende Brut im Gänsemarsch zusammen, Papa Schwan die fremden Schwimmvögel, äh: Kajaks fern. (Wer jemals einen peripheren Papaschwanwarnblick auf dem Deck liegen gespürt hat, weiß, dass es Zeit ist, mit dem Paddel geruhsam, aber zeitnah in den Horizont zu gleiten.)
  4. Zum Schluss noch meine TOP 3 der tierischen Neuentdeckungen:
    Platz 3: der Gänsesäger
    Platz 2: der Säbelschnäbler
    Platz 1: der kubanische Schlitzrüssler
    (Wer mir eine Nachricht schickt, welcher davon kein Vogel ist, erhält weitere lustige Tiernamen gratis.)

By the way: Die Vögel mit dem langweiligsten Federkleid haben die wundervollsten, glasklarsten, abwechslungsreichsten Stimmen. Sie thronen abends hoch oben auf dem Dachfirst, der Baumspitze oder der Laterne und singen stundenlang darüber, wie schön der Tag doch gewesen war. Jeder Tag. Jeden Tag. Sei wie die Amsel.
In diesem Sinne.

Mein lieber Schwan: ein Storch!

Schnatt am Kalenderblatt (27.06.2022): Noch ganz dicht?

Wer – ich? Nun ja, die einen sagen so, die anderen interessieren mich nicht.
Das Zelt? Zum Glück: ja. Die Hoffnung aller Ebay-Kleinanzeigen-Käufer:innen „Gebraucht, aber wie neu!!!“ wurde dieses mal nicht enttäuscht. Ich liebe es, wenn ein Plan aufgeht. Take this, norddeutscher Starkregen in der ersten Zeltnacht, du kannst uns gar nichts!

Einem (fast) handy- und onlinelosen Sommer hinterm Deich steht also nichts im Wege. Stattdessen: „Kajak, Krebse und Kakao“. Oder lesen Sie auch Band 2: „Broiler, Bücher, Badeinseln“. Wer die ‚Trilogie in Watt‘ noch komplettieren möchte, lässt sich auch den dritten Band auf keinen Fall entgehen: „Möwen, Meer und Mittagsschläfchen“.
In diesem Sinne.

Ach ja: Der Pessimist hat übrigens immer ein Ersatzwurfzelt in petto. Safety first! Man weiß ja nie.

„Am Haus vorbei ein Fluss, im Fluss ein GACK, an Land ein MÄH.“ Poetischer wird’s heut nicht. #writersvacation

Schnatt am Kalenderblatt (10.06.2022): Vorgruppe zur Putlitzer Preisverleihung der 42er Autoren

„Erste!“ Gut gebrüllt, Löwin.

=)
Schloss Wolfshagen

Aber nichts gegen den fleißigen Hahn, der seit 4 Uhr 30 sehr lautstark seine Herde zur Produktion unseres Frühstücksrühreis angetrieben hatte. Während er sich wieder schlafen legte, begrüßte uns Herr Schmidt, Hotelier der Herzen, mit seinem neuen schwarzen Mops namens „Barbara“ (#heinoforever) im Gastraum. Satt für drei Tage sitzen wir jetzt auf der Terrasse in der brandenburgischen Morgensonne, hüten den Hof, warten auf die anreisenden Mit-42er Autor:innen und genießen die Stille. Es zwitschert, blattrauscht und summt um uns herum – ansonsten: nüscht.

Oh, ein Auto! Hier ist aber auch wieder was los … Und irgendwo bellte ein Hund.

In diesem Sinne.

Schnatt am Kalenderblatt (06.06.2022): Urlaub mit Männern und Mäusen

Noch vor gar nicht langen drei Jahrzehnten ging es bei mir Pfingsten immer mit Sack, Pack und Balltasche nach Delmenhorst. Das war ein Fest! (Besonders 1991, wo wir die Kreisliga-Konkurrenz des größten deutschen Hallen-Volleyballturniers dann auch tatsächlich mal gewonnen haben. Die anderen Jahre gab es statt Siegerhandtuch immerhin Spaß, Grillwürstchen, kurze Nächte und hohe Bierkistentürme. Jedes Jahr Zelten auf irgendeinem durchmatschten Sportplatz – manchmal mit Skianzug, denn die Stimmung war ‚hot‘, aber das Wetter oft ’not‘.)

Dieses Jahr so: Fahrradfahren und Wandern in der Rhön. Die Zeiten ändern sich, die orthopädischen Gegebenheiten ebenso. Da machste nix. Diesen Urlaub habe ich keine ganze Mannschaft, sondern nur zwei Männer mitgenommen. Einer darf bleiben, der andere muss weg.

Bleiben Sie dran, um zu erfahren, was bisher geschah auf dem Road- … äh: Schienen-Trip seit dem 1. Juni. Erfahren Sie in Kürze, ob das 9 €-Ticket auch bei Starkregen gilt, warum ich am Pfingstsamstag in der Alten Oper in Frankfurt Torsten Sträter-Kaffee verkauft habe und was Harald Schmidt um 14.42 Uhr sagte.

Wann ich endlich etwas über die im Titel erwähnten Mäuse sage? Nix mehr, die habe ich inzwischen alle verputzt, die mussten nämlich auch weg. Vor allem die weißen, die sind leckerer als die rosafarbenen.

In diesem Sinne.

Kalenderblattrückschauschnatt (April 2022): Schreib dein Blögchen, Böckchen!

Ja, es stimmt, ich gebe zu: Ich war in der zweiten Aprilhälfte bockig und deshalb ließ die Rückschau auf sich warten. „April, April, der macht doch, was er will.“ Hat er. Gemacht, was er wollte. Auf jeden Fall nicht das, was ICH wollte. Ergo: bockig. Gründe in gewichteter Reihenfolge:

1.) Der Weltfrieden ließ weiterhin auf sich warten – und das schon lange, denn den wünsche ich mir jedes Jahr zu Weihnachten. (Bekommen habe ich ihn noch nie. Anm. d. Red.)
2.) Gesundheit ist ja auch irgendwie relativ – manchmal leider relativ bescheiden.
3.) Das Glück liege im Kleinen, las ich in meinem ‚Bäckerblume‘-Horoskop, und ich möge doch bitte suchen. – Aha, verstehe. Wird einem eigentlich eine Lupe mitgeliefert? Ich frage für einen Freund.

Aber halt: Liegt Glück nicht bekanntlich im Sinne des Erfinders? … Nein, Moment: im Auge des Betrachters. Nein, auch nicht. Hab‘s gleich. … Auf der Straße!? (Nun ja, da lag immerhin ein Ein-Cent-Stück. Oh, wait – das war schon im Mai. Mist.) Mir scheint, das Glück geht so lange zum Brunnen vor dem Tore, bis es bricht. Zerbrechlich ist es in der Tat, das ist mal sicher. Das müssen diese vielbesungenen Schattenseiten der Journaille sein, von der alle reden. Ich sag euch, da muss irgendwo eine Menge Licht sein, wenn hier so viel… Ach, auch egal, denn nach April kommt bekanntlich der Mai und der macht alles neu. Bin gespannt. Na gut, muss ja nicht gleich alles neu sein. Reicht, dass er ausschlägt, der Mai. Müssen auch nicht ganze Bäume sein, ein Zweiglein als Stimmungsbarometer reicht schon. Nach oben. Nach oben, bitte. Muss ja.

In diesem Sinne.

„Folgt euren Träumen, sie kennen den Weg“ (Lübeck, 1. Aprilhälfte 2022)

Kalenderblattrückschauschnatt (März 2022): Quo vadis, Welt?

(Foto und Bearbeitung: Christian Steinkrüger / Claudia Kociucki & Robert Pfeffer)

Facebook spülte mir diese Erinnerung heute Morgen in meine Timeline: Exakt vor acht Jahren stand ich im ‚Kleinen Schwarzen‘ mit meinem damaligen (und absolut einmaligen) Bühnenpartner Robert Pfeffer mittenmang in der Kölner Innenstadt, um Fotos für unser Tourplakat schießen zu lassen. Dieser Tag war perfekt – sonnig, launig, lustig und vor allem eins: absolut unbeschwert. Unser Programm für die literarische Saison 2014/2015 hieß ‚Ohne Ziel ist auch ’ne Richtung‘, und wenn ich mir unsere globale Lage derzeit so ansehe: Passte 2014, passt 2022. Wenn auch aus anderen Gründen.

Ich wünsche den Menschen in der Ukraine, aber auch in Russland und überall dort, wo es kriselt oder kracht, dass es nur eine mögliche Richtung gibt: Frieden.
Ich wünsche mir, dass wir weiter jeden Tag an dem Ziel arbeiten, unsere Welt zu einem gerechteren und (noch lange) lebenswerten Ort zu machen.
Ich wünsche uns Gesundheit
… und dass uns zwischendurch klitzekleine Momente finden, in denen wir unbeschwert lachen können.

In diesem Sinne.

(Foto: Christian Steinkrüger / Outtake)

Schnatt am Kalenderblatt (21.03.2022): Welttag der Poesie

DU BIST

Du kamst,
du bliebst,
du bist mir treu.
Du schlichst dich ein,
du schleichst um mich.
Durchdringst,
verbringst,
verdingst.
Du bist.
Und ich?

Du zerrst,
beschwerst,
verwehrst.
Du nervst.
Du bist, du bist!
Und ich?

Du machst dich breit in jeder Lücke,
schmälerst schleichend jeden Raum.
Du kamst mit immer mehr Gepäck –
mein Schrank ist eigentlich zu klein.
Egal, egal,
ab ins Regal,
du stopfst und stopfst und stopfst.
Da geht,
da geht,
da geht noch was.
Nur du gehst nie.
Du bist. Du bist. Du bist.
Und ich?

Du lachst
mich aus.
Du machst
aus mir,
wer ich nicht war.
Erwartest du, dass ich mich freu?
Du machst aus manchem Tag
mit aller Macht
den größten Mist.
(Ich sag‘s, wie‘s ist.)
Du bist … du bist … du bist … du bist …
Und ich?

Hätt ich mich nur vor dir versteckt,
wärst du doch bitte bloß ein Traum!
Ich wünscht, du hättst mich nicht entdeckt,
denn seit du da bist,
Depression,
hab ich mich nie allein.
Keinen. Einzigen. Moment.
Du bist du. Bist du. Bist du. Bist. Du.
Und ich?

Und meine Zeit?
Die rennt.

Ich renn mit ihr
und lauf mit dir.
Du bist.
Und ich?

Hier!

#ddlmiteinander #ddl #deutschedepressionsliga
Aktion der Deutschen Depressionsliga auf Facebook am Welttag der Poesie 2022