Adventskalenderblattwerk 3 vom 03.12.2025: Let it glow, let it glow …

Die düstere Jahreszeit – echt getz ma! Halb fünf nachmittags ist das neue Halb-elf-abends. Den Tag beenden darf ich trotzdem nicht: zu früh für Fertig-Machen-und-ab-ins-Bett und zu spät fürs Nachmittagsschläfchen. Irgendwas is‘ ja immer …

Also quäl ich meine müden Knochen und den erschöpften Geist weiter durch den Tag. Die Dunkelheit da draußen passt zwar zu meiner Stimmung, hebt den Gesamtzustand aber in keiner Weise. Da hilft nur die Erinnerung an eine Situation, als ich das erste mal 2016 drei Monate stationär auf der Depressionsstation verbrachte: Sobald Schwester Oberin beim täglichen Ritt über die Ländereien einen Raum vorfand, in dem kein Licht brannte, donnerte sie los „Was ist das denn hier so dunkel?!“ Sprach’s und hatte auch schon im selben Moment unerbittlich die Szenerie illuminiert. Für Gegenargumente war sie nicht empfänglich. Energie sparen? Kosten sparen? Unnötige Bewegung zum Lichtschalter sparen? Papperlapapp! „Licht tut Ihrer Seele gut!“ Sprach’s und war schon wieder aus dem Zimmer gerauscht. Da bei den meisten von uns der Antrieb fehlte aufzustehen, blieben wir bis zum nächsten Programmpunkt der (meist neongrellen) Lichttherapie ausgesetzt. Und, hat’s uns geschadet?

Wir haben damals gemault und die Gesichter verzerrt wie Vampire bei Sonnenaufgang. Doch niemand war zu Staub zerfallen – nur die innere Weigerung, Licht ins Leben zu lassen, war mehr und mehr zerbröselt. Viele von uns an Depressionen Erkrankten hatten daheim zuletzt mit heruntergelassenen Jalousien gelebt, den halben Tag im dunklen Zimmer gelegen und auch sonst nicht so wirklich von innen heraus gestrahlt. Gab ja auch keinen Grund. Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, dass es viele gute Gründe dafür gab, Stimmungsaufhellertipps wie die folgenden mal auszuprobieren. Für Sie getestet:

  • Schalte das Licht ein! Wenn es hell um dich herum ist, bist du aktiver und wacher. Hört sich plausibel an – ist es auch. Je düsterer du dich innerlich fühlst, desto heller sollte es im Außen sein. Gerne auch in Räumen, in die du später erst hineingehen wirst. Strom sparen kannst du ein anderes Mal – jetzt soll es dir erst einmal besser gehen. Lichterketten helfen auch. Ob viele kleine Lichter oder das große Deckenlicht – egal: Power on!
  • Auch wenn du ein Fan von schwarzen Klamotten bist: Trag BUNT, wenn es dir nicht gut geht. Es wirkt Wunder, ernsthaft. Je skurriler, desto besser. Muss ja nicht außerhalb der eigenen vier Wände sein, wenn du dich nicht traust. Aber wenn du in den Spiegel guckst und grinsen musst, lächelt dir auch das Leben für einen Moment zu. Probiere es immer wieder aus. Zu viel, zu schwierig? Dann kombiniere zum frühlingsfrischen Schwarz doch zumindest bunte Söckchen! Eins. Mindestens. Komm: ein Söckchen geht doch immer! Unter der langen Hose. Sieht niemand, aber du weißt, dass es da ist. Oder trage verrückte Ohrringe, ein gemustertes Tuch, einen Schal, eine bunte Haarspange oder einen knalligen Nagellack. Bestell dir eine Handyhülle mit einem durchgeknallten Design – die siehst du jeden Tag.
  • Kauf, strick, zeichne dir irgendetwas, das leuchtet. Lass Farbe in dein Leben – irgendwann färbt es sprichwörtlich auf dich ab.

Ich habe mir dieses Jahr Discokugel-Christbaumkugeln gegönnt. Sie hängen über der Fensterbank, bewegen sich in der Heizungswärme und funkeln. Ich könnte ihnen stundenlang beim Bewegen und Funkeln zuschauen. Was heißt „könnte“ – ich tue es. Und mittlerweile kann ich mich daran erfreuen. In diesem Sinne.