Schnatt am Kalenderblatt (08.07.2021): Für Kopf und Körper und Kafka

Mal was anderes:
Während ich gestern darin vertieft war, weiter an dieser Internetseite zu basteln, eilte die nette Postzustellerin eifrig die Außentreppe zu meiner Wohnung hinauf. Ich ‚höre‘ ihr Erscheinen schon immer Minuten vorher, denn – ihr ahnt es – „irgendwo bellte ein Hund“. Soll heißen: mein Hund. Neben mir. Sekunden später schwingt dann die besagte Außentreppe unter den dynamischen Schritten der blau-gelben Dame. (Okay: präzise, aber fehlleitende Beschreibung, denn jetzt könnte man denken, sie wäre ein Minion oder würde mit Nachnamen Simpson heißen, Egal, tut echt nichts zur Sache. Weiter im Text.)

Irgendein Antiquariat in Irgendwo hatte mir ein – zwecks Eselsohrenprävention liebevoll in Packpapier eingewickeltes – Buch geschickt, das ich tags zuvor erst bestellt hatte. (Ich wäre sicherlich mit meinem Studium ein paar Jahre schneller fertig geworden, wenn so etwas damals schon möglich gewesen wäre. Also nicht das mit dem Packpapier, sondern das online Recherchieren, Bestellen, Liefern. Aber auch das tut nichts für die Anekdote. Ich muss mich mehr fokussieren.)

Jedenfalls: Das heißbegehrte Buch brauche ich zwecks Recherche für ein ultrageheimes Geheimprojekt, und jetzt bin ich froh, dass es da ist. Pessoa ist nun an sich keine leichte Kost, eher undurchdringlich kafkaesk. Man muss sich halt in die Texte hineinknabbern wie ein Eichhörnchen, das eine hartnäckige Haselnussschale mit seinen niedlichen Nagezähnchen knacken möchte und die Frucht dabei wieder und wieder in den putzigen Pfötchen wendet, bis die Schale endlich Stück für Stück bröckelt. Nichts für zwischendurch also. Nichts für am Ende eines langen Tages, wenn der mentale Arbeitsspeicher schon auf Reservetank fährt.

Freundlicherweise hat der Händler dem Päckchen einen Gutschein beigelegt – ihr kennt das. Ich freue mich verhalten optimistisch und checke, ob ich den überhaupt gebrauchen kann. Dem intellektuell herausfordernden Anlass angemessen hätte ich jetzt vermutet: satte Rabatte für eine Kiste Rotwein, zwei Lesebrillen zum Preis von einer oder 5 % auf einen T-Shirt-Druck mit Sinnspruch meiner Wahl. Weit gefehlt – und wesentlich kreativer: Dem Päckchen lag ein Unterwäschegutschein bei. Von Schiesser. Ja, ihr lest richtig. Wahrscheinlich, damit ich mir das einengende bourgeoise Alltagsgewand abstreifen und mir im Feinripp das mühsame literarische Aufknabbern so angenehm und körperlich wie geistig so befreit wie möglich gestalten kann. Nette Idee eigentlich. Irgendwie.

Ich bin dann mal kurz weg: eine weiße Untergarnitur bestellen. Das Eichhörnchen, das täglich in meinem Balkonkasten wühlt, werde ich übrigens ‚Kafka‘ taufen.
In diesem Sinne.

Serviervorschlag

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