Schnatt am Kalenderblatt (06.01.2023): … und brachten Geschenke mit

So geschehen vor gut 2000 Jahren: Da brachten irgendein Carsten, Mehmet und Bastian Gold, Weizen und Möhren mit. War wohl eine Mitbringfete, ich weiß nicht mehr genau. Ist lange her. 

So geschehen auch heute in einem Bubble Tea-Laden in meiner Heimatstadt. Der Besitzer (nennen wir ihn „Herr Li“, damit fährt man statistisch am besten) hatte Geburtstag, aber noch nie einen Geburtstagskuchen. Geht ja gar nicht! Okay, einen veritablen Kuchen gab es heute auch nicht, aber vielleicht zählen „Muttis mehlfreie Mandel-Muffins“!? #stammkundenmitbringsel

So geschehen auch bis vor circa 40 Jahren. Da überreichte ich meinem Uropa immer ein selbstgebasteltes Geschenk zu seinem Geburtstag. Bis zu seinem letzten, dem 98., am Dreikönigstag. (Als kleines Kind hatte ich immer gedacht, er müsse der vierte König sein – wegen seines Geburtsdatums, seines Schnäuzers und der schneeweißen Haare. Er wirkte einfach sehr royal und staatsmännisch, und wurde von den Nonnen im Altenheim obendrein „Kaiser Wilhelm“ genannt.) Ich habe ihn sehr geliebt. Also nicht den Kaiser, den Uropa. Das weiß ich sehr genau. Obwohl es lange her ist. Und das werde ich auch in 2000 Jahren noch in meinem Herzen tragen. In diesem Sinne. 

Schnatt am Kalenderblatt (02.01.2023): Gute Nachsätze für jedes Jahr

Symbolbild, kein Serviervorschlag

Normalerweise habe ich keine Vorsätze für neue Jahre. Weder gute noch schlechte. Damit wäre dieser Blogbeitrag auch eigentlich schon erledigt. Prima, ging schneller, als ich dachte.

Früher habe ich die To-Do-Listen des Jahres einfach mit ins neue Jahr genommen und eine neue Zahl oben drauf geschrieben. Sind ganz schön nachhaltig, so Listen. Neulich noch habe ich eine halb erledigte aus dem Jahr 2014 entsorgt. Hat mich sehr viel Überwindung gekostet, schließlich ist eine Ära zu Ende gegangen. (Update: Die nicht abgehakten Punkte habe ich von der „To-Do-Liste“ auf die „Was- soll’s-Liste“ übernommen. #transfercompleted)

Viele Leute wollen im neuen Jahr mehr Sport treiben, weniger essen, auf Alkohol verzichten und abnehmen. Habe ich heute auch mal probiert. Schließlich weiß ja jeder, dass man Diäten und Lebensumstellungen montags beginnt. Sonst funktioniert das nicht. In diesem Sinne.

Schnatt am Kalenderblatt (01.01.2023): Das eine kommt, das andere geht

Wem auch immer ich vorgestern davon erzählte, dass die Deutsche Post zum Jahresende ihre Dienstleistungssparte „Telegramm“ einstellt, sagte erstaunt: „Ach, ich wusste gar nicht, dass es die noch gibt …“ Richtig. (Also Telegramme, nicht die Deutsche Post.)

Jedenfalls: Eine Ära geht zu Ende. Morsen, Faxen, Telegramne. Nix ist, wie es mal war. Das ist im Prinzip ja auch gut und wichtig. Aber damit meine Kinder dieses Stück Zeitgeschichte noch live erleben, habe ich die Gunst der letzten Stunde genutzt und ihnen die guten Wünsche zum neuen Jahr durch die Post persönlich zustellen lassen: mit dem „Whatsapp der Steinzeit“. Natürlich mit Schmuckblatt. Nicht kleckern, klotzen! (Für ein ’singendes Telegramm‘ hatte der Zusteller allerdings keine Zeit. Oder kein Talent. Wir werden es nie erfahren.)

Die Zeiten ändern sich. Ich habe trotzdem letztes Jahr zwei Telefone mit Wählscheibe gekauft. In Grau. Ich liebe dieses Geräusch: Ssssssssitttt-rrrrrrrrrr. Die Zeiten ändern sich. Jahreszahlen auch. Schönes bleibt. In diesem Sinne.

Schnatt am Kalenderblatt (01.12.2022): Es blüht mit grün, wenn …

… wir nach Hause geh’n. So geschehen letzten Donnerstag im klirrekalten, wunderbaren Borken, wo die fabelhafte Martina Bialas und ich im Rahmen der „Orange Days“ gegen Gewalt an Frauen aufgetreten sind. Das 3ECK war bis in den letzten Winkel mit begeisterungsfähigem und begeistertem Publikum gefüllt. Unser 2022er Weltfrauentagsprogramm „Frau zu sein bedarf es wenig“ freute sich einmal mehr, aus- und aufgeführt zu werden.

Beschwingt, wie wenn ich „My Fair Lady“ in die Tasten haue, fuhr ich heim, in den Händen diesen wunderbaren Blumenstrauß. Dreimal dürft ihr raten, was meine Lieblingsblumen sind. Richtig: Auftrittsblumen. Es gibt keine schöneren. In diesem Sinne.

Kalenderblattrückschauschnatt (Juni 2022): Komm ma‘ ran, Kormoran!

Die ersten drei Juni-Wochen gondelten wir charmant mit dem 9 €-Ticket durch die halbe Republik, ambulante Visite gewissermaßen (BLOG berichtete), die letzte Woche verbrachten wir für 9 € pro Nacht auf einem Zeltplatz: stationärer Aufenthalt hinterm Deich. Es war ein Monat voller Reisen, voller Züge und voller schräger Vögel – in diesem wie im anderen Sinne. Die einen wie die anderen zu beobachten war mein liebster Zeitvertreib. Hier meine Entdeckungen aus vier Wochen „Wildparks, Wald und Wanderwegen“:

  1. Raubvogel des Monats war für mich der Rotmilan. Er gleitet höchst galant und meditativ am Himmel entlang – wenn er jedoch auf Tiefflug abbiegt, ist es mit der buddhistischen Ruhe zu Ende. Millionen von Mäusen missfällt das. (Der Rotmilan ist übrigens weder ganz rot, noch wohnt er in Mailand, sondern beispielsweise in der Rhön und hat einen eingekerbten Schwanz wie eine Schwalbe.)
  2. Letztere fliegen tatsächlich tief, wenn es regnen wird. Für Sie getestet – nicht nur in der Rhön. (Wie sie es schaffen, bodennah zu segeln, ohne sich dabei ständig auf den Schnabel zu legen, weiß wohl nur das eingebaute Schwalbigationssystem.)
  3. Auch Schwäne machen Familienausflüge auf dem Wasser. Mama Schwan hält dabei die pubertierende Brut im Gänsemarsch zusammen, Papa Schwan die fremden Schwimmvögel, äh: Kajaks fern. (Wer jemals einen peripheren Papaschwanwarnblick auf sich und auf dem Deck liegen gespürt hat, weiß, dass es Zeit ist, mit dem Paddel geruhsam, aber zeitnah in den Horizont zu gleiten.)
  4. Zum Schluss noch meine TOP 3 der tierischen Neuentdeckungen:
    Platz 3: der Gänsesäger
    Platz 2: der Säbelschnäbler
    Platz 1: der kubanische Schlitzrüssler
    (Wer mir eine Nachricht schickt, welcher davon kein Vogel ist, erhält weitere lustige Tiernamen gratis.)

By the way: Die Vögel mit dem langweiligsten Federkleid haben die wundervollsten, glasklarsten, abwechslungsreichsten Stimmen. Sie thronen abends hoch oben auf dem Dachfirst, der Baumspitze oder der Laterne und singen stundenlang darüber, wie schön der Tag doch gewesen war. Jeder Tag. Jeden Tag. Sei wie die Amsel!
In diesem Sinne.

Mein lieber Schwan: ein Storch!

Schnatt am Kalenderblatt (27.06.2022): Noch ganz dicht?

Wer – ich? Nun ja, die einen sagen so, die anderen interessieren mich nicht.
Das Zelt? Zum Glück: ja. Die Hoffnung aller Ebay-Kleinanzeigen-Käufer:innen „Gebraucht, aber wie neu!!!“ wurde dieses mal nicht enttäuscht. Ich liebe es, wenn ein Plan aufgeht. Take this, norddeutscher Starkregen in der ersten Zeltnacht, du kannst uns gar nichts!

Einem (fast) handy- und onlinelosen Sommer hinterm Deich steht also nichts im Wege. Stattdessen: „Kajak, Krebse und Kakao“. Oder lesen Sie auch Band 2: „Broiler, Bücher, Badeinseln“. Wer die ‚Trilogie in Watt‘ noch komplettieren möchte, lässt sich auch den dritten Band auf keinen Fall entgehen: „Möwen, Meer und Mittagsschläfchen“.
In diesem Sinne.

Ach ja: Der Pessimist hat übrigens immer ein Ersatzwurfzelt in petto. Safety first! Man weiß ja nie.

„Am Haus vorbei ein Fluss, im Fluss ein GACK, an Land ein MÄH.“ Poetischer wird’s heut nicht. #writersvacation

Schnatt am Kalenderblatt (10.06.2022): Vorgruppe zur Putlitzer Preisverleihung der 42er Autoren

„Erste!“ Gut gebrüllt, Löwin.

=)
Schloss Wolfshagen

Aber nichts gegen den fleißigen Hahn, der seit 4 Uhr 30 sehr lautstark seine Herde zur Produktion unseres Frühstücksrühreis angetrieben hatte. Während er sich wieder schlafen legte, begrüßte uns Herr Schmidt, Hotelier der Herzen, mit seinem neuen schwarzen Mops namens „Barbara“ (#heinoforever) im Gastraum. Satt für drei Tage sitzen wir jetzt auf der Terrasse in der brandenburgischen Morgensonne, hüten den Hof, warten auf die anreisenden Mit-42er Autor:innen und genießen die Stille. Es zwitschert, blattrauscht und summt um uns herum – ansonsten: nüscht.

Oh, ein Auto! Hier ist aber auch wieder was los … Und irgendwo bellte ein Hund.

In diesem Sinne.

Schnatt am Kalenderblatt (06.06.2022): Urlaub mit Männern und Mäusen

Noch vor gar nicht langen drei Jahrzehnten ging es bei mir Pfingsten immer mit Sack, Pack und Balltasche nach Delmenhorst. Das war ein Fest! (Besonders 1991, wo wir die Kreisliga-Konkurrenz des größten deutschen Hallen-Volleyballturniers dann auch tatsächlich mal gewonnen haben. Die anderen Jahre gab es statt Siegerhandtuch immerhin Spaß, Grillwürstchen, kurze Nächte und hohe Bierkistentürme. Jedes Jahr Zelten auf irgendeinem durchmatschten Sportplatz – manchmal mit Skianzug, denn die Stimmung war ‚hot‘, aber das Wetter oft ’not‘.)

Dieses Jahr so: Fahrradfahren und Wandern in der Rhön. Die Zeiten ändern sich, die orthopädischen Gegebenheiten ebenso. Da machste nix. Diesen Urlaub habe ich keine ganze Mannschaft, sondern nur zwei Männer mitgenommen. Einer darf bleiben, der andere muss weg.

Bleiben Sie dran, um zu erfahren, was bisher geschah auf dem Road- … äh: Schienen-Trip seit dem 1. Juni. Erfahren Sie in Kürze, ob das 9 €-Ticket auch bei Starkregen gilt, warum ich am Pfingstsamstag in der Alten Oper in Frankfurt Torsten Sträter-Kaffee verkauft habe und was Harald Schmidt um 14.42 Uhr sagte.

Wann ich endlich etwas über die im Titel erwähnten Mäuse sage? Nix mehr, die habe ich inzwischen alle verputzt, die mussten nämlich auch weg. Vor allem die weißen, die sind leckerer als die rosafarbenen.

In diesem Sinne.